2. Juli 2013

Tulipes Schandtaten

Liebe Sabine

Endlich hört Ihr wieder etwas von uns. Es geht uns bestens.

Wir haben mit Moisele wieder einiges erlebt, wobei es mir scheint, dass sie verständiger wird.

Wir sind ja jetzt zu den Flegelis aufgestiegen, besuchen aber immer noch zusätzlich die Welpengruppe. Sie liebt das Spielen und mit ihren 3.1 kg kann sie ja locker mit den grössern resp. vom Alter her kleineren Welpen mithalten. Als absoluter Profi absolviert sie den obligaten Hindernisparcours im Fluge um sich danach vors Spielgehege zu setzen und dort fast vergitzlet vor Vorfreude. In der Zwischenzeit ist sie manchmal schon etwas grob. Ich muss mir dann das Lachen verkneifen, wenn sie mal wieder Tomätli auf den Ohren hat und partout nicht auf den Trainer hören will. Letzthin war sie so überdreht, dass sie kurz auf die Seite gedreht werden musste um runter zu kommen. Und ich sage Dir, das hat eine kurze Ewigkeit gedauert.

Das Abrufen klappt schon so gut, dass ich sie auf unserem Hof ohne Leine laufen lassen kann. Zwischendurch hat sie manchmal ihre grössenwahnsinnigen Anwandlungen, wie z.B. heute:



Sie musste das Shetland Pony ankläffen beim weiden. Einfach so, nach etwa 10 Minuten, aus heiterem Himmel. Dabei tanzt sie dann wie ein Zirkushund auf den Hinterbeinen, damit sie etwas grösser wirkt.

Oder, auch heute; half sie dem Hofhund N. eines unserer grossen Pferde in den Stall treiben. Eigendlich eine ganz unnütze und gefährliche Sache, denn die Pferde werden am Halfter in den Stall geführt, immer! Nur ist halt N. s Leidenschaft das Kühe treiben.Diese Tätigkeit dehnt er in Ermangelung von Kühen aus. Da kommt er in einen regelrechten Rausch rein. Und N.  ist ja immer noch Tülpchens grosses Vorbild. Da kopiert sie halt auch mal Mist. Zum Glück kann ich sie JETZT in solchen Situationen abrufen.

Apropos Mist: ist immer noch lecker, aber nicht mehr ganz zuoberst auf den Leibspeisen-Liste.

Schuhe sind nun absolut uninteressant, bubizüüg, Gott sei Dank, das Wesen bekommt etwas Verstand! Denn ihr Maul ist jetzt voller Zähne. Zahnwechsel komplett.

Dafür waren Hühner ganz spannend. Ich habe mir lange überlegt, ob ich ihre Schandtat aufschreiben soll. Da nun bereits wieder neues grünes saftiges Gras gewachsen ist (somit auch Gras über diese Geschichte) und 2 Schlechtwetterperioden durchs Land gezogen sind, wage ich es.

Wir haben auch einen Hühnerhof voller glücklicher brauner Legehennen und einem einzigen weissen Huhn.
Sie sind eingezäunt, können aber auch mit etwas Geschick und Harnäckigkeit aus dem Gehege ausbüxen. Da sie immer genügend Auslauf haben bleiben sie netterweise meist in ihrer Umzäunung. Ausser eben an besagtem Tag. Frau Weisshuhn suchte ihre Würmer auf der gemähten Wiese. Moisele hatte gerade 2,3 Tage wunderbar gehorcht und ich begann langsam sie ohne Schleppleine auf den Hof zu nehmen. Immer schön vorausschauend sollte es ja gehen. Bis mein Zuckermäuschen diesen wackelnden weissen grossen Fleck auf der Wiese sah. Huiiiii war sie schnell, das Huhn floh, Hündchen voller Entzücken hinterher... Herrgott sie jagt! läck so ein Mist. Was mach ich jetzt? Schreien darf ich ja auf keinen Fall, das heizt sie nur noch an. Und der Bauer sollte ja auch nicht gerade auf uns aufmerksam gemacht werden...

Also 1x gebrüllt; hat natürlich nichts geholfen, davonlaufen auch nicht. Da musste ich halt doch hinterher mit einem gewissen Stil, ihr versteht...!

Dann sah ich wie sich das Huhn durch den Schafhag durchzwängte.
Aha, dachte ich, hat also kein Strom drauf sonst - upsala, ich weiss ja nicht wie ein Huhn mit gedauerwellten Federn aussähe -. Und wie intelligent! Nun kam der Hammer! Tülpchen, nicht faul, hinterher, drückte gegen den Zaun und schlängelte sich EBENFALLS durch den Hag. Merci am Schatten. Jetzt war der Salat perfekt. Ich sah vor meinem inneren Auge schon Hühner mit Herzinfarkt umkippen, meinen Hund mit eine bluttriefender Henne im Maul herumstolzieren und herrjeh, sonst noch so Sachen...

Nichts dergleichen geschah, Schutzengel sei Dank. Moisele war dermassen perplex, überwältigt von der Legehennenschar dass sie grad mal einen Moment sich konzentrieren musste und überlegen, wie ein richtig grosser Hund jetzt eine solche Situation meistert... DAS war meine Chance. Rein ins Gehege, die grosse Verwirrung ausnutzen, den Uebeltäter pflücken und unschuldig lammfromm mit ihr ganz entspannt zurück über den Hof spazieren. Schliesslich war ich ja mal in der Schüler-Theatergruppe... Ich glaube ich wurde nicht mal rot... oben in unserer Wohnung meint mein Mann nur: Aaha deshalb Dein Schrei! Er hoffe nur, dass die Hühner nicht einen Legestreik einlegen... Oh nein, auch das noch!

Es wurde am nächsten Tag wieder kalt, eiskalt; und der Bauer führte die verminderte Eierproduktion auf das schlechte Wetter zurück, das sei gut möglich. Ich bin überzeugt davon!

Die Produktion hat sich wieder optimal eingestellt; wir haben auch wieder Sonnenschein und Tülpchen war fleissig in der Hundeschule, ich auch.

So, das war's. Mitte Woche fahren wir zu den Ostfriesen nach Norderney. Mal schauen wie sand-, wind- und meertauglich sie ist.

Liebe Grüsse
an alle von uns allen