6. Mai 2013

Es läuft nicht immer alles gut - Hydrozephalus

Leider mussten wir uns viel zu früh von unseren wunderschönen Welpchen
Jay Jay und Jo Jo verabschieden.

Wir sind unglaublich traurig über den Verlust der beiden tapferen Zwerge, waren sie doch immerhin schon über vier Wochen alt und uns mit jedem Tag mehr ans Herz gewachsen.












Steh nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort. Ich schlafe nicht.

Ich bin wie tausend Winde, die wehen.
Ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.
Ich bin das Sonnenlicht aus reifendem Korn.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn Du aufwachst in des Morgens Stille,
bin ich der flinke Flügelschlag friedlicher Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin der milde Stern, der in der Nacht leuchtet.

Stehe nicht an meinem Grab und weine,
ich bin nicht dort. Ich bin nicht tot.


Penelope Smith, Gespräche mit Tieren


Unsere Süssen Engelchen litten unter einem Wasserkopf (Hydrozephalus / Hydrocephalus), welcher anscheinend bei den Toyrassen vermehrt vorkommt. Leider habe ich aber vorher noch nie persönlich von einem Züchter gehört, der Wasserköpfchen hatte.

Auch ein wenig, um das Geschehene zu verarbeiten, möchte ich hier unsere Erfahrungen schildern, welche ich mit Informationen ergänzt habe, die im Internet zur Verfügung stehen.



Weder meine Anfrage bei der Tierklinik, noch Biofocus konnten etwas Schlaues über den Erbgang zu Tage bringen, wohl auch deswegen, weil "man" noch nichts genaues darüber weiss.

Auch habe ich im Internet kaum Infos von Züchtern darüber gefunden. Vielleicht auch deshalb, weil die Welpen, die damit geboren werden, nicht lange leben.

Hier also unsere leidvolle Erfahrung zum Thema Hydrozephalus. Ich würde mich freuen, mich mit anderen Betroffenen austauschen zu können, um vielleicht auch ein bisschen Wissen und Erfahrungen zu sammeln.

Anzeichen


Einige typische Anzeichen für einen Welpen mit Hydrocephalus können laut Internetkonsultation sein:

ein auffälliger grosser, gewölbter Kopf    -     war bei uns nicht der Fall, jedenfalls nicht unüblich, denn Chihuahuas haben ja schon vom Rassestandard aus so ein Köpfchen

eine sehr grosse offene Fontanelle, die sich über die Stirn und von Ohr zu Ohr erstreckt, manchmal auch mehrere, einzelne offene Fontanellen  - war bei uns nicht der Fall, Fontanellen waren im Gegenteil von Anfang an schon relativ klein

eine Auswölbung der Fontanelle, manchmal pulsierend - war bei uns nicht der Fall

weit auseinanderstehende Augen, Augäpfel schauen nach aussen, an den Innenseiten der Augäpfel sieht man viel weiss - war bei uns nicht der Fall, jedenfalls nicht Rassenuntypisch

"dümmlicher" Ausdruck und langsames Lernen - für den dümmlichen Ausdruck waren sie definitv zu klein, was aber auffiel, dass sie mit dem Leertrinken einer Zitze immer zufrieden waren und nicht noch wie wild alle anderen Milchstationen abgeklappert hätten

zunehmende Schläfrigkeit - Bei Welpen kann die verminderte Aktivität im Vergleich zu Wurfgeschwistern auffallen  - da wir keine gesunden Wurfgeschwister in diesem Wurf hatten, ging ich von zufriedenen Welpen aus, die sehr gut von der Mutter gepflegt wurde und deshalb keinen Anlass zum Schreien hatten. Aber sie haben vergleichsweise schon viel geschlafen.

Bewegungsauffälligkeiten; verminderte Lernfähigkeit, unsichere Bewegungen oder erscheinen orientierungslos - ich denke, das mit dem Saugverhalten war schon der erste Hinweis darauf, ich dachte einfach, es wären ruhige, zufriedene Welpen. Als sie dann hätten anfangen müssen mit Laufen, da wurde es dann relativ schnell auffällig, habe es erst aber auf anfängliche Unsicherheiten geschoben. Später wurde es dann wirklich klar und es ging dann auch sehr rapide und zusehends bergab (siehe Video - folgt....). Mit etwas mehr als vier Wochen konnten sie dann nicht einmal mehr mit Hilfe trinken.

Krampfanfälle - hatten unsere Welpen (noch) keine

nicht altersgemässe Entwicklung, unzureichendes Wachstum - ja, sie haben nicht gut zugenommen. Dachte, das kommt aber daher, weil sie einfach so unglaublich zufrieden sind und nicht alle Welpen sind ja gleich gross und nehmen gleich viel zu

Teilweise reagieren die Hunde mit gesteigerter Aggressivität auf gewohnte Dinge - dazu waren unsere wohl noch zu klein, gilt wohl eher für ältere Hunde


Motorische Ausfälle - Aus der Chirurgischen Veterinärklinik –Kleintierchirurgie - (Prof. Dr. E. Schimke) der Justus-Liebig-Universität Giessen


Die Patienten zeigen oft motorische Ausfälle, die durch unterschiedliche Gangveränderungen auffallen. Besonders kleine Hunderassen neigen zu Hypermetrie (Bewegungsübermass, Hinausschiessen von Bewegungen über das angestrebte Ziel), weil bei ihnen wahrscheinlich das Cerebellum (=Kleinhirn; erfüllt wichtige Aufgaben bei der Steuerung der Motorik: es ist zuständig für Koordination, Feinabstimmung, unbewusste Planung und das Erlernen von Bewegungsabläufen) im Zuge der  intrakraniellen Drucksteigerung komprimiert (durch das Wasser im Kopf zusammengedrückt) wird.

Hoerlein und Gage (13) beobachteten die Gangveränderungen meist zuerst an den Hintergliedmassen (genau wie bei unseren Welpen - siehe Video), während unsere Patienten die Auffälligkeiten zuerst an den Vordergliedmassen zeigten. Die Ausfälle werden häufig in schnelleren Gangarten deutlicher.

Einseitiges Kreislaufen, starke Ataxie (eine Störung der Bewegungskoordination und Haltungsinnervation. Sie äussert sich in unkontrollierten und überschüssigen Bewegungen) sowie partieller oder starker Gleichgewichtsverlust können auffallen (genau wie bei unseren Welpen - siehe Video). Grundsätzlich sind viele Formen der Gangveränderung bei Patienten mit Hydrozephalus möglich. Spastizität (wie Krampf - in typischer Weise erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur) kann das klinische Bild dominieren, insbesondere wenn der Hirnstamm von der Drucksteigerung betroffen ist. Andererseits kann der Gang unverändert sein, wenn der Hirnstamm weitgehend verschont bleibt(9). In Einzelfällen sind die spinalen Reflexe gesteigert (13).

Sensible Ausfälle Tiere mit stark ausgeprägtem Hydrozephalus können akut erblinden. Dies wird auf die Schädigung der entsprechenden Areale des Kortex durch den intrakraniellen Überdruck und  Parenchymschwund zurückgeführt (9). Da die betroffenen Hunde plötzlich orientierungslos und stark verängstigt erscheinen, ist dies häufig das erste und zugleich auffälligste Symptom für den Besitzer. Es finden sich in der Literatur für den Hund bisher keine Angaben, ob Blindheit infolge von Hydrozephalus reversibel ist und ab welchem Zeitraum irreparable Schäden zu erwarten sind.

Insbesondere bei Neugeborenen und Welpen kann Taubheit auffallen, wobei diese Tiere häufig fast ununterbrochen schreien (7).



Vererbung - Erbgang


Leider weiss man noch nicht genau, wie und ob sich Hydrozephalus vererbt, da es offenbar (beim Menschen wohl besser erforscht) auch verschiedene Ausprägungen und Gründe für den Wasserkopf gibt. Man kann sich einen Wasserkopf auch erwerben, z.B. durch ein Trauma, wie einen Schlag auf den Kopf, schwere Geburt...

Teilweise wird angenommen, dass der Hydrozephalus autosomal-rezessiv vererbt wird, wie es für die meisten Erbkrankheiten die Regel ist. Für uns (nur die männlichen Welpen erkrankten) hätte jetzt eher die x-chromosomale Vererbung gepasst, ist aber natürlich bei der geringen Anzahl Welpen überhaupt nicht aussagekräftig.

Nach O. Lautersack und E. Schimke
Aus der Chirurgischen Veterinärklinik –Kleintierchirurgie - (Prof. Dr. E. Schimke) der Justus-Liebig-Universität Giessen

Die Entstehung des primären Hydrozephalus beim Hund ist noch weitgehend ungeklärt.
Silson und Robinson (37) konnten für die Siamkatze einen autosomal-rezessiven Erbgang nachweisen.

Beim Menschen kann in 4,5–14,2% eine X-Chromosomen gebundene Heretabilität nachgewiesen werden (12).

Redding konnte für den Chihuahua zeigen, dass die Nachkommen betroffener Elterntiere mit hohem Anteil einen klinisch manifesten Hydrozephalus aufweisen (13). Erblichkeit konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Selby et al. (34) konnten einen Zusammenhang zwischen der Grösse des Muttertieres und dem Auftreten von Hydrozephalus bei den Nachkommen herstellen. Sie vermuten daher einen Zusammenhang mit traumatischen Bedingungen während des Geburtsvorgangs, weil sich das Grössenverhältnis von Mutter zu Welpe mit abnehmender Grösse der Rasse zu Gunsten des Welpen verschiebt. Kii et al. (19) stellten bei 47,6% von 21 untersuchten beagleähnlichen Hunden asymmetrische Ventrikel fest und vermuten als Ursache intrakranielle Blutungen bei der Geburt.

Diese Genese des frühkindlichen Hydrozephalus ist auch beim Menschen bekannt, kommt jedoch  sehr selten vor und wird immer durch weitere Veränderungen wie erhöhte Blutungsneigung oder  bestehende Stenosen der Liquorstrombahn begleitet (20). Esteve-Ratsch et al. (10) konnten keinen signifikanten Unterschied der Ventrikelgrösse zwischen klinisch-neurologisch unauffälligen und auffälligen Yorkshire Terriern feststellen.

Insbesondere bei brachyzephalen Hunden und Toyrassen wird vermutet, dass die Ventrikulomegalie meist asymptomatisch bleibt, durch Bagatelltraumen jedoch eine Dekompensation verursacht werden kann, die zu klinisch-neurologischen Ausfällen im Sinne des Hydrozephalus führt (10, 38).