1. März 2012

Merle

Zucht


Die Merle-Zucht ist von vielerlei Mythen belegt, die aufgebauscht und verbreitet wurden, doch nichts desto trotz sicher nicht ohne Risiken behaftet. Was passieren kann, wenn jemand Tiere einfach planlos miteinander verpaart, kann man sich auch hier anschauen: Rosie wurde zusammen mit 40 anderen Hunden von einer Hinterhof-Züchterin / Hoarder  gerettet. Die Hunde waren völlig verängstigt, hatten in ihrem Leben noch nie aus dem Haus dürfen. Einige waren sogar ohne Vorderbeine geboren,
http://www.everythingrosie.com/about/

Auch wir hatten leider die Erfahrung von kranken Welpen schon machen müssen, doch hing dies, nach genauen Abklärungen, nicht mit dem Merle-Gen zusammen und kann jedem Züchter von Tieren / Hunden passieren. Die Natur kann leider manchmal schon grausam sein und kleinste Fehler bei der Entwicklung der Föten, können verheerende Auswirkungen haben.

Doch man kann als Züchter einiges machen, um das Risiko zu minimieren und nicht einfach "der Natur ihren Lauf lassen" und auf Gut Glück hoffen:
  • Ein verantwortungsvoller Züchter wird kein Tier aus einer Merle-Verpaarung ohne vorherigen Gentest mit einem x-beliebigen Chihuahua verpaaren, um die Probleme von reinerbigen Merle-Tieren zu vermeiden.
  • Mittlerweile ist es ja so leicht einen Merle-Genträger zu „überführen“, wenn auch nicht ohne Kosten. Doch ein verantwortungsvoller Züchter wird diese wundervolle Möglichkeit sicher auf sich nehmen und seine Tiere auf das Merle-Gen testen lassen, um zweifelsfrei ausschliessen zu können, aus Versehen eine doppel-Merle Verpaarung zuzulassen. Lassen Sie sich unbedingt den Merle-Gen-Test des Elternteiles zeigen, der das Merle-Gen nicht haben sollte.
  • Kaufen Sie Merle-Welpen nur, wenn sie den Gen-Test des nicht-Merle Elterntieres gesehen haben. So haben Sie die Gewissheit, nicht einen Double-Merle (MM) zu erwerben, der mit einer Serie von Missbildungen (auch an den inneren Organen) behaftet sein könnte. 




(Teilweise kopiert aus Wikipedia)
Die Merle-Färbung tritt bei einer ganzer Reihe der Hunderassen auf. Viele davon sind auch im FCI-Standard anerkannt! Beispiele von Hunderassen mit Merle-Färbung sind:  Deutsche Doggen, Shetland Sheepdogs, Collie, Border Collie, Altdeutscher Hütehund, Australian Shepherds, Bobtails, Dackel, Corgis, Chihuahua, Cocker Spaniel, Pit Bull, Catahoula Leopard Dog, Norwegian Hound, Pyrenean Shepherd, Pomeranian, Beauceron Sheepdog…

 

Aussehen

Die (auf Eumelanin beruhenden Farben) wie Schwarz und Braun können durch das Merle-Gen aufgehellt werden. In den so gefärbten Bereichen oder einzelnen schwarzen oder braunen Haaren entstehen weiße Abzeichen. Sie können als große Flecken oder als feine Sprenkelung vorkommen. Manchmal wird das Schwarz auch zu einem Grau aufgehellt, das von einem dunklen Graublau über rosastichig bis hin zu einem zarten Hellgrau variieren kann. Entsprechend kann das durch den Braun-Locus entstandene Braun zu helleren Brauntönen aufgehellt werden. Das bedeutet, dass das Merle-Gen ein marmoriertes Muster verursacht in den Bereichen, in denen der Hund eigentlich schwarz oder braun gefärbt wäre. Da das Merle-Gen Phäomelanin nicht beeinflussen kann, zeigen Hunde mit dieser (meist crème, rötlich oder gelb) Farbe an keiner Stelle des Körpers die typische Merle-Zeichnung.
Bonitas rechtes Auge ist nur teilweise blau
In Rassen wo Merle vorkommt, ist deshalb bei Tieren dieser Farbe Vorsicht geboten, da man sonst unwissentlich zwei Träger der Merle-Gens miteinander verpaaren könnte. Durch Phäomelanin braun gefärbte Fellbereiche bei anderen Fellzeichnungen, wie der Brand bei Hunden mit roter Zeichnung in Gesicht und an Beinen oder wie die hellen Haare im Fell der geflammten Hunde werden ebenfalls nicht durch das Merle-Gen aufgehellt.
Die Augen können einfarbig braun, einfarbig blau, oder gemischtfarbig sein – wobei es Hunde gibt, die ein blaues und ein braunes Auge haben, als auch solche, die beide Farben in einem Auge vereinen.

kryptischer Merle Zorro
Ausserdem weist nicht jedes Tier mit Merle-Gen auch eine Merle-Zeichnung im Fell auf, selbst wenn die Grundfarbe Schwarz oder Braun ist. Solche Merle-Tiere werden als „kryptischer Merle“, "hidden Merle", "Phantom Merle" oder  „Merle-Genträger“ bezeichnet.
Kryptischer Merle Keiko













Aus diesem Grund müsste jeder Nachkomme einer Merle-Verpaarung, der die charakteristische Fellzeichnung nicht aufweist, auf das Merle-Gen getestet werden!!!

 

Genetik

Das Merle ist auf ein Gen (Merle-Gen) im Erbgut des Hundes zurückzuführen. Es ist eine Mutation des Silver-Locus-Gens (Pmel17), das sich beim Haushund auf Chromosom CFA10 befindet.
Das Merle-Gen hellt nur Eumelanin auf, während es Fellbereiche, in denen ausschließlich Phäomelanin vorkommt, unverändert lässt.
Wenn man einen Träger des Merle-Gens mit einem Hund paart, der das Gen nicht hat, sind statistisch 50 % Merle- und 50 % andersfarbige Welpen zu erwarten. In der Praxis fallen normalerweise unter 50 % Merle-Welpen.

Locus M Gene der M-Serie (Marmorierungs-Serie)

M für marmorierende Färbung – auch als „Merle“ bezeichnet
m keine marmorierte Färbung

Beide Allele der M-Serie lassen drei Genkonstellationen zu: MM, Mm und mm.

Mögliche Genotyp-Kombinationen

Elternteil 1    Elternteil 2    Nachkommen

MM                 Mm                  50 % der Merle-Hunde sind MM
                                                        (Achtung; schwerste Gesundheitsschäden möglich)
                                                 50 % der Merle-Hunde sind Mm 
                                                        → Träger der Vollpigmentierung des Fells

MM                  mm                 100 % der Merle-Hunde sind Mm 
                                                        → Träger der Vollpigmentierung des Fells

Mm                  Mm                  25 % der Merle-Hunde sind MM 
                                                       (Achtung; schwerste Gesundheitsschäden möglich)
                                                 50 % der Merle-Hunde sind Mm 
                                                        → Träger der Vollpigmentierung des Fells
                                                 25 % der Hunde mit Vollpigmentierung sind mm

Mm                  mm                  50 % der Hunde mit Vollpigmentierung sind mm
                                                 50 % der Merle-Hunde sind Mm 
                                                       → Träger der Vollpigmentierung des Fells

 

Gesundheitliche Auswirkungen der homozygoten Form (MM)

Hunde, die das Gen nur einmal aufweisen (Mm), also heterozygot sind, sind meist gesund. Bei reinerbigen (homozygoten oder MM) Tieren, manchmal auch Weisstiger genannt,  sind 10% einseitig und 15% auf beiden Ohren taub. Es können vor allem bei homozygoten Tieren auch Fehlbildungen der Augen auftreten. Betroffene Tiere können in der Entwicklung hinter Wurfgeschwistern zurückbleiben, eine verminderte Lebensfreude zeigen und sterben manchmal vor der Geschlechtsreife.

Darum ist es von allergrösster Bedeutung, Merle-Tiere nur mit GETESTETEN Non-Merle zu kreuzen!!!

 

Herkunft

Über die Herkunft des Merle-Gens ist man sich nicht sicher. Wahrscheinlich wurde diese Mutation über andere Rassen eingekreuzt. Anscheinend führen Recherchen  in den Ahnentafeln von Merle-Chihuahuas auf den Rüden Teto-Chico zurück, der selber kein Merle-Chihuahua war und dessen Eltern und Grosseltern auch nicht. Deshalb werden Merle-Chihuahuas von vielen als Mischlinge bezeichnet.

Naja, die ursprünglichen Chiwis waren aber auch ALLE kurzhaarig. Somit sind Langhaar-Chihuahuas auch durch Einkreuzungen (vermutlich Zwergspitz-Pomeranian oder Papillon) entstanden. Weil das aber schon einige Generationen länger her ist (seit 1952 anerkannt in den USA), redet darüber kaum noch jemand.

Mal ganz abgesehen davon: alle Rassehunde sind ursprünglich so entstanden...

 

Gesundheit / Vorurteile

Es steht ausser Frage, dass von reinerbigen Merle-Hunde (MM) überdurchschnittlich viele krank geboren werden. Somit wird kein seriöser Züchter eine Merle x Merle-Verpaarung zulassen.
Ich möchte hier mit einem Vorwurf aufräumen, der oft von Merle-Gegnern angeführt wird.

Eine Studie mit einer Tigerdackel-Kolonie von 1978 wird sehr oft herangezogen, um auch mischerbige Merle-Tiere vernichtend als krank zu bezeichnen. Wobei das völlig haltlos ist, da es damals noch gar keine Gentests gab und somit die kranken Tiere nicht als mischerbig/heterozygot (also Mm) zu identifizieren waren. Ausserdem wurde in grossem Masse Inzucht betrieben, was auch bei nicht merlefarbenen Tieren zu Gesundheitsproblemen führt.

Zur Studie

(Auszug aus http://www.border-wiki.de/index.php/Merle-Gen)
In der Studie wird offen dokumentiert, dass mit den Versuchstieren über mehrere Generationen hinweg starke Inzucht betrieben wurde (basiert auf nur zwei Rüden und sechs Hündinnen / Verpaarungen Vater/Tochter etc). Es ist allerdings von mehreren Hunderassen bekannt, dass durch vermehrte Inzucht beziehungsweise Linienzucht bestimmte Blutslinien anfälliger für Krankheiten sind als andere. Der Border Collie ist davon nicht ausgenommen, und so finden sich in gewissen Border-Collie-Linien unter anderem vermehrte Fälle von
  •   Epilepsie
  •   Agressionenbereitschaft
  •   Taubheit

Letzere trat unter anderem auch bei den Nachkommen des Experimentes in der Studie auf.
Tiefergehende Bewertung der Studienergebnisse anhand der unter (1) und (2) genannten Rahmenbedingungen:
Es ist heutzutage leider kaum noch nachvollziehbar, in wie weit und in welchem Ausmass die Schädigungen der Welpen auf das merle-Gen und welche auf vermehrte Inzucht zurückzuführen sind.

Die gesamte Palette der Beeinträchtigungen der Jungtiere wie
  •   verminderte Hörfähigkeit bis hin zur Taubheit
  •   verminderte Sehfähigkeit bis hin zur Blindheit
  •   verminderte Fruchtbarkeit bis hin zur Sterilität
  •   verminderte Lebensfreude (Vitalität) oder
  •   vermehrte Welpen Sterblichkeit

kann sowohl auf das doppelte merle-Gen an sich als auch auf Inzuchtschwäche beziehungsweise starke Inzuchtschäden zutreffen, da diese Palette bei allen inzuchtgeschädigten Tierarten vorgefunden werde kann. Auch das doppelte merle-Gen als Verursacher kann nicht ausgeschlossen werden.


Neue Studie vom Journal of Veterinary Internal Medicine

2009 hat das "Journal of Veterinary Internal Medicine" glücklicherweise nochmals eine Studie durchgeführt. Sie berücksichtigten verschiedenen Hunderassen und betonen in der Studie, dass sie keinerlei finanzielle oder persönliche Beziehungen zu anderen Personen oder Organisationen hatten, die Sie oder Daten in der Studie beeinflusst hätten.
Sie können die Studie hier gerne selber nachlesen: Prevalence of deafness in dogs heterozygous or homozygous for the merle allele.

Über alle getesteten Merle-Hunde gab es einen signifikanten Unterschied, ob sie heterozygot (single-Merle / Mm) oder homozygot (doppel-Merle / MM) auf das Merle-Gen waren. Die single-Merle waren im Durchschnitt 2,7 % einseitig und 0,9 % beidseitig taub. Alle 18 single-Merle (Mm) Chihuahuas, die an der Studie teilgenommen hatten, waren weder ein- noch beidseitig taub!


 

Übrigens

Das Merle-Gen ist nicht die einzige Färbung, die bei unsachgemässer Zucht kranke Welpen verursachen kann.
Nehmen wir z.B. das Piebald-Gen (verursacht weisse Scheckung): Knapp 10% der Dalmatiner sind auf einem oder beiden Ohren taub. Da die Taubheit durch das Scheckungsgen hervorgerufen wird, kann man dieses Taubheitsrisiko nicht wegzüchten, ohne auf die typische Dalmatiner Farbe zu verzichten. Dasselbe gilt auch bei extrem-Schecken (sehr grosser Weissanteil) bei Chihuahuas.

Oder aber die Verdünnungs/Dilutions-Farben (blau, lilac), die auch nicht risikolos sind und mit Haarausfall und Hauterkrankungen einhergehen können.


Diverste Gentests kann man übrigens sehr einfach machen lassen (z.B. für das Merle oder Dilution-Gen):  Firma Bio-Focus